RATGEBER · Privatpersonen

Vermögensübersicht und laufende Verpflichtungen

Eine Vermögensübersicht im Notfallordner soll helfen, Konten, Verträge und laufende Verpflichtungen zu finden. Sie ist keine Vollmacht und verändert keine Eigentumsrechte. Angaben sollten aktuell, nachvollziehbar und sicher zugänglich sein. Notfallvorsorge und spätere Nachlassabwicklung brauchen unterschiedliche Nachweise und Zuständigkeiten.

Redaktioneller Stand: 06.10.2026 · Deutschland

Vermögenswerte nach Inhaber und Nachweis ordnen

Erfassen Sie Konten, Immobilien, Beteiligungen und relevante Forderungen. Die Beratung prüft rechtliche Zuordnung anhand vorhandener Unterlagen. Privatvermögen und Gesellschaftsvermögen werden nicht pauschal zusammengerechnet. Gemeinsam genutzte Gegenstände können anderen Personen gehören. Notieren Sie Quelle und Stand jeder Angabe. Ein Kontostand ist eine Momentaufnahme, kein dauerhafter Nachlasswert. Die Übersicht soll Auffinden erleichtern und offene Eigentumsfragen sichtbar machen. Sie wird nicht als amtliches vollständiges Nachlassverzeichnis oder endgültiger Erbnachweis ausgegeben, nur weil alle bekannten Positionen in einem Ordner gesammelt sind.

Laufende Verpflichtungen mit Fristen erfassen

Benennen Sie Darlehen, Versicherungen, Miet- und Dienstverträge sowie regelmäßige Zahlungen. Die Beratung hilft bei rechtlicher Zuordnung, wenn Vertragspartner oder Zweck unklar sind. Zahlungsrhythmus und Kündigungsfrist sind unterschiedliche Angaben. Ein Dauerauftrag beweist nicht allein die zugrunde liegende Verpflichtung. Rechnungen und Verträge sollten auffindbar bleiben. Eine Übersicht zeigt dringende Termine, ohne bereits jede Beendigung zu veranlassen. Krankheit oder Tod lässt nicht automatisch alle Verträge enden. Der Ordner hält daher tatsächlichen Vertrag, laufende Kosten und mögliche spätere Entscheidungen getrennt erkennbar fest.

Liquidität und gebundenes Vermögen unterscheiden

Notfallentscheidungen benötigen oft schnell verfügbare Mittel. Die Beratung prüft, welche Person rechtlich handeln kann; wirtschaftliche Liquidität wird mit aktuellen Daten beschrieben. Immobilienwert oder Unternehmensbeteiligung ist nicht pauschal verfügbares Kontogeld. Bestehende Belastungen werden mitgenannt. Eine geschätzte Vermögenssumme ersetzt keine Zahlungsübersicht. Der Plan soll konkrete nächste Rechnungen und mögliche Zuständigkeiten zeigen. Er verspricht keine Finanzierung oder freien Zugriff auf alle Mittel. Eine verständliche Darstellung hilft, private Zahlungen und fremde Verpflichtungen nicht ungeprüft zu vermischen.

Notfallinformation und rechtliche Befugnis trennen

Kenntnis der Konten und Verträge erlaubt nicht automatisch deren Verwaltung. Die Beratung gleicht Übersicht mit Vollmachten und Vertretungsregeln ab. Ein Angehöriger erhält nicht allein durch Ordnerbesitz umfassende Befugnisse. Auch im Todesfall braucht die handelnde Person eine passende erbrechtliche oder andere Grundlage. Geheime Zugangsdaten werden nicht als Ersatz für rechtliche Legitimation empfohlen. Der Ordner zeigt Zuständigkeit und Nachweisort. Informationen, Originalurkunden und tatsächliche Zugriffsrechte werden getrennt organisiert, damit praktische Auffindbarkeit nicht unbemerkt zur vermeintlich unbegrenzten Vertretungsmacht wird.

Beispiel: unklare Abbuchungen bei längerer Krankheit

Eine Vertrauensperson findet mehrere laufende Zahlungen, kennt jedoch ihre Verträge nicht. Die Beratung prüft Angaben und vorhandene Befugnis. Das Beispiel zeigt, weshalb Anbieter, Vertragspartner und Unterlagenort in der Übersicht stehen sollten. Eine Kontovollmacht wird nicht automatisch auf Gesellschaftsgeschäfte erweitert. Unbekannte Zahlungen werden als offen markiert. Sofortige Kündigung jeder Abbuchung ist kein geordneter Ersatz für Vertragsprüfung. Die Akte verbindet praktische Information und rechtlichen Handlungsrahmen, damit notwendige Zahlungen und spätere Entscheidungen nachvollziehbar vorbereitet werden können.

Notfallübersicht mit Aktualisierungsplan vorbereiten

Ordnen Sie Vermögens- und Vertragsunterlagen und eine Liste laufender Termine. Ergänzen Sie Inhaber, Zuständige und sicheren Ablageort. Die Beratung kann rechtliche Lücken und widersprüchliche Vollmachten prüfen. Datum und bekannte Änderungen werden festgehalten. Sensible Daten sollen zweckbezogen geschützt bleiben. Die Vorbereitung garantiert keine vollständige Entdeckung aller unbekannten Werte. Sie schafft jedoch eine verständliche Grundlage, auf der wichtige Positionen und Verpflichtungen gefunden werden können, ohne den Informationsordner mit einer wirksamen Vollmacht, gerichtlichen Bestellung oder abschließenden Nachlassfeststellung gleichzusetzen.

Checkliste für Ihre Vorbereitung

  • Konto-, Immobilien- und Beteiligungsübersicht
  • Vertragsunterlagen und laufende Zahlungstermine
  • Vollmachten und Nachweisorte der Originale
  • Aktualisierungsdatum und zuständige Vertrauenspersonen

Ordnen Sie Dokumente nach Datum. Unklare Angaben werden als offen markiert; Originale und vollständige Anlagen helfen bei der konkreten Prüfung.

Häufige Fragen

Ist die Übersicht schon eine Vollmacht?

Information und rechtliche Vertretungsbefugnis sind zu unterscheiden.

Ist jede geschätzte Vermögenssumme liquide?

Gebundene Werte und verfügbare Zahlungsmittel müssen getrennt betrachtet werden.

Enden alle Verträge im Notfall automatisch?

Fortbestand und Beendigung sind nach Vertrag und konkreter Lage zu prüfen.

Fachliche Einordnung

Grundlagen: § 167 BGB; § 164 BGB; § 1922 BGB; § 1967 BGB. Die allgemeinen Informationen ersetzen keine Prüfung Ihrer Unterlagen. Zuständigkeit und erforderliche Fristen werden im konkreten Auftrag geklärt.

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