RATGEBER · Arbeitsrecht

Darlegung der geleisteten Überstunden

Eine Überstundenforderung braucht mehr als eine Gesamtsumme. Arbeitszeit, tatsächlich geleistete Tätigkeit und Veranlassung durch den Arbeitgeber sollten nachvollziehbar dokumentiert sein.

Redaktioneller Stand: 04.10.2026 · Deutschland

Vertragliche Sollzeit als Vergleich bestimmen

Lesen Sie Wochenstunden, Verteilung und vorhandene Arbeitszeitkontoregeln. Bei flexiblen Modellen ist nicht jede einzelne längere Schicht automatisch vergütungspflichtige Mehrarbeit. Ausgleichszeitraum, Pausen und bereits erteilte Freizeit werden berücksichtigt. Eine Monatsübersicht muss deshalb nicht nur die Anwesenheit, sondern auch die vereinbarte Sollzeit erkennen lassen. Vergütungssatz und Anspruchsgrundlage bilden weitere Fragen, die von der Anzahl der behaupteten Stunden getrennt werden.

Tage, Beginn, Ende und Pausen erfassen

Erstellen Sie eine Liste für jeden betroffenen Tag. Notieren Sie Arbeitsbeginn, Arbeitsende, tatsächliche Pausen und geleistete Aufgaben. Fehlende Angaben werden kenntlich gemacht. Ein pauschaler Satz über immer zehn Stunden täglich kann bei bestrittenen Zeiten unzureichend sein. Digitale Aufzeichnungen und eigene Kalender werden miteinander abgeglichen. Die Übernahme einer fremden Schätzung ohne Prüfung verbessert die Beleglage nicht; vorhandene Originaldaten sollten unverändert gesichert werden.

Arbeitgeberseitige Veranlassung belegen

Für einen Vergütungsprozess ist neben der Leistung auch die Veranlassung durch den Arbeitgeber darzulegen. Die Entscheidung des Bundesarbeitsgerichts 5 AZR 359/21 behandelt diese Abgrenzung. Anordnung, Billigung, Duldung oder eine konkret notwendige Aufgabenzuweisung können je nach Sachverhalt relevant sein. Erfassen Sie, wer welche zusätzliche Arbeit wann verlangte oder von ihr wusste. Allein die Anwesenheit nach Feierabend beantwortet diese Frage nicht.

Belege zur richtigen Frage zuordnen

Eine Zugangskarte belegt möglicherweise Anwesenheit, ein Arbeitsauftrag die zugewiesene Tätigkeit und eine freigegebene Stundenliste eine weitere Erklärung. Diese Belege haben nicht automatisch dieselbe Bedeutung. Ordnen Sie sie nach Tag und Prüffrage. Prüfen Sie außerdem Ausschlussfristen und bereits erfolgten Ausgleich. Eine gut dokumentierte Liste ist die Grundlage für die Forderung, aber keine Zusage, dass jede eingetragene Minute vollständig bezahlt werden muss.

Beispiel: Lange Anwesenheit ohne klare Aufgabe

Ein Zeitkonto zeigt viele späte Austritte, enthält aber keine Pausen oder Freigaben. Ergänzen Sie aus vorhandenen Unterlagen die tatsächlichen Aufgaben und zuständigen Ansprechpersonen. Markieren Sie nicht rekonstruierbare Tage als offen. So bleibt erkennbar, was belegt ist und welche Tatsachen noch benötigt werden.

Checkliste für Ihre Vorbereitung

  • Arbeitsvertrag und Sollzeitregelung
  • Tagesliste mit Beginn, Ende und Pausen
  • Arbeitsaufträge und Freigaben
  • Zeitkonto, Ausgleich und bisherige Forderungen

Ordnen Sie Dokumente nach Datum. Unklare Angaben werden als offen markiert; Originale und vollständige Anlagen helfen bei der konkreten Prüfung.

Häufige Fragen

Reicht eine Gesamtsumme der Stunden?

Tagesbezogene Angaben und weitere Anspruchsvoraussetzungen müssen nachvollziehbar sein.

Sind Zutrittsdaten schon ein vollständiger Zahlungsbeweis?

Anwesenheit, tatsächliche Arbeit und Arbeitgeberveranlassung sind zu unterscheiden.

Muss die Veranlassung dokumentiert werden?

Sie ist eine eigene Prüffrage neben dem Umfang der geleisteten Arbeit.

Fachliche Einordnung

Grundlagen: § 612 BGB; § 611a BGB; BAG 5 AZR 359/21. Die allgemeinen Informationen ersetzen keine Prüfung Ihrer Unterlagen. Zuständigkeit und erforderliche Fristen werden im konkreten Auftrag geklärt.

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