Redaktioneller Stand: 06.10.2026 · Deutschland
Die richtige Vertragsfassung und Tabelle verwenden
Beschaffen Sie Versicherungsschein, vereinbarte Unfallbedingungen und sämtliche Tarifnachträge. Produkte können unterschiedliche Werte und Zusatzregeln enthalten. Eine aktuelle Tabelle aus Werbung oder Internet ersetzt die bei Vertragsabschluss vereinbarte Fassung nicht. Markieren Sie das betroffene Körperteil, die verwendete Bewertungsposition und die Begründung der Versicherung. Bei mehreren Policen kann dieselbe medizinische Folge anders berechnet werden. Halten Sie deshalb die rechtliche Berechnung jedes Vertrags getrennt, auch wenn das zugrunde gelegte Gutachten identisch ist.
Dauerhafte Funktion statt Diagnose allein erfassen
Die medizinische Beurteilung sollte erkennen lassen, welche Funktion dauerhaft beeinträchtigt ist und in welchem Umfang. Ein Operationsbericht belegt eine Behandlung, aber nicht automatisch den endgültigen Invaliditätsgrad. Messwerte, Verlauf und begründete Prognose erfüllen unterschiedliche Aufgaben. Rechtliche Beratung nimmt keine eigene medizinische Bewertung vor. Sie kann prüfen, ob die Abrechnung die Feststellungen nachvollziehbar mit der Taxe verbindet. Unklare Begriffe werden durch fachliche Rückfragen geklärt, statt einen Prozentwert allein aus der Diagnose abzuleiten.
Teilwerte und Überschneidungen nachvollziehen
Bei einer teilweisen Einschränkung wird geprüft, wie der medizinische Anteil auf den vereinbarten Taxwert angewandt wurde. Mehrere Schäden können sich überschneiden; nicht jede einzelne Diagnose darf automatisch als zusätzlicher voller Tabellenwert addiert werden. Dokumentieren Sie, welche Positionen die Versicherung verwendet und welche sie zusammenfasst. Die Bedingungen können Obergrenzen und Regeln zur Gesamtbewertung enthalten. Eine nachvollziehbare Rechenübersicht unterscheidet medizinische Ausgangsgröße, vertraglichen Grundwert und weitere Anpassungen. So bleiben tatsächliche und rechnerische Einwände getrennt.
Vorzustand, Mitwirkung und Progression abgrenzen
Eine frühere Einschränkung desselben Körperteils und die Mitwirkung von Krankheiten oder Gebrechen können verschiedene Fragen betreffen. Lesen Sie die jeweiligen Vertragsregeln und die medizinische Begründung für einen Abzug. Progression beeinflusst dagegen die Auszahlung nach dem ermittelten Grad und ist kein zusätzlicher Befund. Führen Sie diese Schritte nacheinander in der Berechnung auf. Eine höhere Versicherungssumme ändert ebenfalls nicht automatisch den Invaliditätsgrad. Fehlen einzelne Rechenschritte, bitten Sie um eine aufgeschlüsselte Leistungsentscheidung mit den verwendeten Werten.
Beispiel: eingeschränkte Handfunktion nach dem Unfall
Ein Gutachten beschreibt eine dauerhafte, aber nicht vollständige Einschränkung der Hand. Die Police enthält einen Wert für den vollständigen Funktionsverlust. Für die Prüfung werden der medizinisch begründete Anteil und dessen Bezug zur konkreten Taxposition benötigt. Ein höherer Wert für den gesamten Arm ist nicht allein deshalb passend, weil die Hand Teil des Arms ist. Die Einordnung richtet sich nach Vertrag und Befund. Das Beispiel zeigt, warum die Wahl der Tabellenposition selbst entscheidungserheblich sein kann.
Einwendungen und Fristen gezielt vorbereiten
Benennen Sie, ob Sie den Befund, die Taxposition, einen Abzug oder die Auszahlungskurve beanstanden. Die Bedingungen und gesetzlichen Regeln zur Unfallversicherung enthalten weitere Anforderungen an Feststellung, Geltendmachung und mögliche Neubemessung. Fristen werden aus der konkreten Akte ermittelt. Für eine E-Mail-Anfrage genügen Unfalltag, betroffene Funktion und Abrechnung. Medizinische Unterlagen werden später gezielt übermittelt. Eine erste Prüfung kann Rechenfehler klären; ein neues Gutachten und dessen Kosten brauchen einen gesondert abgestimmten Auftrag.
Checkliste für Ihre Vorbereitung
- Unfallpolice mit Gliedertaxe und Progression
- Gutachten mit funktionellen Befunden und Prognose
- Leistungsberechnung mit Teilwerten und Abzügen
- Unterlagen zu Vorzustand sowie relevanten Fristmitteilungen
Ordnen Sie Dokumente nach Datum. Unklare Angaben werden als offen markiert; Originale und vollständige Anlagen helfen bei der konkreten Prüfung.
Häufige Fragen
Gilt für jede Unfallversicherung dieselbe Gliedertaxe?
Nein. Maßgeblich ist die vereinbarte Tabelle des jeweiligen Vertrags mit ihren Zusatz- und Bewertungsregeln.
Bestimmt die Diagnose den Prozentwert?
Die dauerhafte funktionelle Beeinträchtigung und ihre vertragliche Einordnung sind entscheidend. Dafür können fachmedizinische Feststellungen erforderlich sein.
Erhöht Progression den medizinischen Invaliditätsgrad?
Sie betrifft die vertragliche Auszahlung nach dem ermittelten Grad. Befund, Grad und Leistungskurve werden getrennt geprüft.
Fachliche Einordnung
Grundlagen: § 180 VVG; § 182 VVG; § 188 VVG. Die allgemeinen Informationen ersetzen keine Prüfung Ihrer Unterlagen. Zuständigkeit und erforderliche Fristen werden im konkreten Auftrag geklärt.