RATGEBER · Arbeitsrecht

Einladung zum BEM formulieren

Die Einladung zum betrieblichen Eingliederungsmanagement soll einen freiwilligen, verständlichen Suchprozess eröffnen. Arbeitgeber müssen Anlass, Ziele, Datenverwendung und mögliche Beteiligte erklären, ohne Diagnosen zu verlangen.

Redaktioneller Stand: 04.10.2026 · Deutschland

Anlass und Einjahreszeitraum korrekt ermitteln

§ 167 Absatz 2 SGB IX betrifft Beschäftigte, die innerhalb eines Jahres länger als sechs Wochen ununterbrochen oder wiederholt arbeitsunfähig oder teilweise arbeitsunfähig sind. Prüfen Sie den relevanten Zeitraum anhand der tatsächlichen Daten. Es geht nicht nur um schwerbehinderte Beschäftigte. Eine allgemeine Jahresliste kann den individuellen Verlauf unvollständig abbilden. Der Einladungsprozess benötigt einen dokumentierten Anlass, ohne unnötige medizinische Einzelheiten zu sammeln. Teilzeit und unterschiedliche Arbeitsmodelle werden bei der konkreten Berechnung berücksichtigt. Unklare Ausfallangaben werden sachlich geklärt.

Ziel als offene gemeinsame Suche formulieren

Die Einladung erklärt, dass Möglichkeiten zur Überwindung der Arbeitsunfähigkeit, zur Vermeidung weiterer Arbeitsunfähigkeit und zum Erhalt des Arbeitsplatzes gesucht werden. Sie darf nicht bereits ein bestimmtes Ergebnis vorgeben. BEM ist weder ein verpflichtendes Diagnosegespräch noch allein die Anordnung einer einzelnen Maßnahme. Beschreiben Sie einen möglichen ersten Austausch und die zuständige Kontaktperson. Beschäftigte sollen erkennen, welche Fragen organisatorisch besprochen werden können. Der Text sollte verständlich bleiben und nicht aus einer Sammlung allgemeiner Gesetzesverweise bestehen. Persönliche Annahmen über Erkrankungsursachen gehören nicht hinein.

Freiwilligkeit und Entscheidung verständlich erklären

Das BEM wird mit Zustimmung und Beteiligung der betroffenen Person durchgeführt. Die Einladung erläutert diese Entscheidung und einen nachvollziehbaren Antwortweg. Teilnahme und pauschale Freigabe sämtlicher Gesundheitsdaten sind nicht dasselbe. Eine ablehnende Rückmeldung darf nicht automatisch als Kündigungsgrund dargestellt werden. Auch darf keine sichere Folge für jeden späteren Rechtsstreit versprochen werden. Bieten Sie eine Kontaktmöglichkeit für Fragen an. Eine angemessene Rückmeldefrist unterstützt die Organisation, ersetzt aber keine verständliche Information. Der tatsächliche Gesprächsverlauf muss den zugesagten freiwilligen Rahmen einhalten.

Beteiligte und Datenverwendung konkret beschreiben

Erklären Sie Art und Umfang der erhobenen und verwendeten Daten sowie die vorgesehenen Beteiligten. Beschäftigte können nach § 167 SGB IX zusätzlich eine Vertrauensperson eigener Wahl hinzuziehen. Interessenvertretung, bei schwerbehinderten Menschen Schwerbehindertenvertretung und weitere mögliche Stellen werden anhand des konkreten Verfahrens eingeordnet. Die Beteiligung wird mit den erforderlichen Zustimmungen abgestimmt. BEM-Unterlagen benötigen ein begrenztes Zugriffs- und Aufbewahrungskonzept. Der Hinweis vertraulich allein erklärt nicht, wer welche Information erhält. Diagnosen sollten nicht als pauschale Voraussetzung für ein erstes Gespräch verlangt werden.

Beispiel: Einladung mit vorgegebenem Ergebnis

Ein Arbeitgeber lädt nach wiederholten Ausfällen ein und erklärt bereits, nur eine Versetzung komme infrage. Prüfen Sie den Text auf einen tatsächlich offenen Suchprozess. Ein möglicher Arbeitsplatzwechsel kann besprochen werden, sollte aber andere realistische Maßnahmen nicht von Beginn an ausschließen. Die Einladung benennt Ziele und Beteiligungsmöglichkeiten. Welche Lösung passt, wird erst nach gemeinsamer Betrachtung der konkreten Situation bewertet.

Einladung und Folgeprozess zusammen vorbereiten

Erstellen Sie ein Schreiben mit Anlass, Zielen, freiwilliger Entscheidung, Beteiligten, Dateninformation und Kontakt. Ein Antwortformular unterscheidet Zustimmung, Ablehnung und Rückfragen ohne unnötige medizinische Angaben. Prüfen Sie, ob die Organisation ihre Datenschutz- und Beteiligungszusagen tatsächlich umsetzen kann. Terminplanung, Dokumentation und getrennte Ablage werden vorher festgelegt. Im Suchprozess werden Maßnahmen und Rückmeldungen sachlich festgehalten. Eine versandte Einladung allein ersetzt nicht die angemessene Durchführung. Für die Rechtsprüfung werden Text, Informationsunterlagen und tatsächlicher Ablauf gemeinsam betrachtet. So eröffnet die Einladung ein Verfahren, dessen Bedingungen für die betroffene Person verständlich und praktisch verlässlich sind.

Checkliste für Ihre Vorbereitung

  • Ausfallübersicht für den individuellen Zeitraum
  • Einladungsentwurf und Antwortformular
  • Dateninformation und Zugriffskonzept
  • Beteiligungs- und Gesprächsablauf

Ordnen Sie Dokumente nach Datum. Unklare Angaben werden als offen markiert; Originale und vollständige Anlagen helfen bei der konkreten Prüfung.

Häufige Fragen

Betrifft BEM nur schwerbehinderte Beschäftigte?

Die gesetzlichen Voraussetzungen beziehen sich allgemein auf Beschäftigte.

Müssen vor dem Erstgespräch Diagnosen eingereicht werden?

Eine pauschale Diagnoseanforderung ist kein geeigneter Standard für die Einladung.

Genügt der Versand für ein vollständiges BEM?

Information, Zustimmung und tatsächlicher Suchprozess sind zusätzlich wichtig.

Fachliche Einordnung

Grundlagen: § 167 SGB IX; § 26 BDSG. Die allgemeinen Informationen ersetzen keine Prüfung Ihrer Unterlagen. Zuständigkeit und erforderliche Fristen werden im konkreten Auftrag geklärt.

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