Redaktioneller Stand: 07.10.2026 · Deutschland
Anlass, Stichtag und Datenbasis festlegen
Erfassen Sie aktuelle Krise, Rechtsform und Prüfungsstichtag. Stellen Sie Abschlüsse, laufende Buchhaltung, Konten und Verbindlichkeiten zusammen. Veraltete Daten werden ausdrücklich gekennzeichnet. Eine Jahresbilanz ist kein vollständiger Nachweis der heutigen Liquidität. Ebenso ersetzt ein Umsatzplan nicht den tatsächlichen Zahlungseingang. Ziel der Vorbereitung ist ein gemeinsamer Ausgangspunkt für rechtliche und wirtschaftliche Bewertung. Die Prognose soll zeigen, auf welche belegbaren Informationen sich eine Entscheidung stützt und welche wesentlichen Zahlen noch fehlen.
Gesetzlichen Prognosehorizont richtig einordnen
§ 19 Absatz 2 InsO nennt für die Fortführung im Rahmen der Überschuldungsprüfung die nächsten zwölf Monate und überwiegende Wahrscheinlichkeit. Das ist keine pauschale Zusage, jedes Unternehmen mit erwarteten Umsätzen sei ausreichend finanziert. Die tatsächlichen Umstände und eine belastbare Planung werden geprüft. Eine positive Fortführungsprognose beantwortet zudem nicht automatisch die gesonderte Zahlungsunfähigkeitsfrage nach § 17 InsO. Beide Prüfungen müssen zusammen organisiert werden, ohne ihre Voraussetzungen und Ergebnisse miteinander zu vermischen.
Einzahlungen und Auszahlungen zeitlich planen
Ordnen Sie fällige Zahlungen nach Wochen beziehungsweise passenden Planperioden. Berücksichtigen Sie Lohn, Steuern, Miete, Lieferanten und Kreditdienst. Erwartete Kundenzahlungen brauchen Betrag, Fälligkeit und Ausfallannahmen. Ein hoher Auftragsbestand kann wirtschaftlich hilfreich sein, überbrückt aber nicht von selbst die nächste Gehaltszahlung. Finanzierung wird nur mit ihrem tatsächlich belegten Status einbezogen. Unverbindliche Investorengespräche werden von zugesagten verfügbaren Mitteln unterschieden. So bleiben reale Engpässe sichtbar statt in einem Jahresüberschuss zu verschwinden.
Unsichere Annahmen und Gegenmaßnahmen dokumentieren
Für neue Aufträge, Kostensenkung und Kapitalzufluss werden Nachweise und Verantwortliche festgehalten. Betrachten Sie auch den Fall verspäteter Zahlung oder gescheiterter Finanzierung. Eine Prognose soll nicht nur eine gewünschte positive Zahl erzeugen. Größere Veränderungen erfordern Aktualisierung. Dokumentieren Sie, was verbindlich beschlossen, praktisch umsetzbar oder noch offen ist. Rechtliche Beurteilung und wirtschaftliche Planerstellung können verschiedene Fachbeiträge benötigen. Die Geschäftsführung muss erkennen, welche Aussage bereits geprüft wurde und welche nur eine Annahme darstellt.
Beispiel: profitabler Auftrag mit später Zahlung
Eine GmbH gewinnt einen Auftrag, dessen Erlös erst nach Monaten eingeht. Material und Gehälter werden vorher fällig. Die Planung zeigt eine Finanzierungslücke trotz erwarteten Gewinns. Die Prüfung betrachtet konkrete Überbrückungsmittel und zugleich mögliche Insolvenzgründe. Das Beispiel verdeutlicht den Unterschied zwischen Rentabilität und Zahlungsfähigkeit. Eine bloße Auftragserwartung ersetzt weder Liquiditätsnachweis noch eine rechtlich passende Fortführungsbewertung. Die Entscheidung wird anhand von Zahlungsterminen und gesichertem Finanzierungsstatus dokumentiert.
Dringliche Prüfung mit klarer Arbeitsteilung vorbereiten
Für die Anfrage nennen Sie Stichtag, nächste Fälligkeiten und vorhandene Planung. Der Auftrag kann rechtliche Überschuldungsprüfung und Abstimmung wirtschaftlicher Grundlagen betreffen. Planerstellung, Steuerfragen und fortlaufende Überwachung werden ausdrücklich bestimmt. Eine mögliche Antragspflicht darf nicht bis zur Fertigstellung einer komfortablen Planung ignoriert werden. Ziel ist eine zeitnahe, nachvollziehbare Entscheidung mit Datenbasis und offenen Punkten. Gesetzliche Pflichten werden parallel zur Finanzierungssuche geprüft, nicht erst nach dem Scheitern sämtlicher Verhandlungen.
Checkliste für Ihre Vorbereitung
- Aktuelle Buchhaltung und Kontostände
- Fälligkeiten und Liquiditätsplan
- Belegte Aufträge und Finanzierungszusagen
- Planannahmen, Risiken und Krisenchronologie
Ordnen Sie Dokumente nach Datum. Unklare Angaben werden als offen markiert; Originale und vollständige Anlagen helfen bei der konkreten Prüfung.
Häufige Fragen
Genügt ein positiver erwarteter Jahresgewinn?
Nein. Zahlungstermine und tatsächliche Finanzierung müssen zusätzlich geprüft werden.
Erledigt die Prognose auch Zahlungsunfähigkeit?
Nein. Die Insolvenzgründe werden gesondert geprüft.
Zählen unverbindliche Investorengespräche als sichere Finanzierung?
Ihr Status wird offengelegt; sie sind nicht mit verfügbaren zugesagten Mitteln gleichzusetzen.
Fachliche Einordnung
Grundlagen: § 19 InsO; § 17 InsO; § 15a InsO. Die allgemeinen Informationen ersetzen keine Prüfung Ihrer Unterlagen. Zuständigkeit und erforderliche Fristen werden im konkreten Auftrag geklärt.